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Was Thüringen stark macht: Wirtschaftsministerin besucht Innovationsstandort Ilmenau

Wie – und wann – kann durch Forschung an Sensorik, Automatisierung und Datenanalytik und darauf basierenden Anwendungen wie dem automatisierten und vernetzten Fahren Wertschöpfung für die Thüringer Wirtschaft generiert werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Besuchs der Thüringer Ministerin für Wirtschaft, Landwirtschaft und ländlichen Raum, Colette Boos-John, am 6. August am Thüringer Innovationszentrum Mobilität (ThIMo) an der TU Ilmenau. Sie wurde begleitet durch Andreas Bühl, Mitglied des Thüringer Landtags und u.a. Vorsitzender des ÖPNV-Ausschusses im Ilm-Kreis. Im Austausch mit dem Leiter des ThIMo, Prof. Matthias Hein, weiteren Wissenschaftlern und der Universitätsleitung sowie dem Ilmenauer Oberbürgermeister Dr. Daniel Schultheiß und dem Landesvorsitzenden der Wirtschaftsjunioren ThüringenNam Gutzeitverschaffte sich die Ministerin im Rahmen ihrer Möglichmachertour 2025 einen Überblick über das, was Thüringen heute schon stark macht und künftig noch stärker machen könnte. 

Wirtschaftsministerin Colette Boos-John und Andreas Bühl, Vorsitzender des ÖPNV-Ausschusses im Ilm-Kreis (Mitte) informierten sich bei ihrem Besuch am Thüringer Informationszentrum Mobilität (ThIMo) im Gespräch mit ThIMo-Direktor Hein unter anderem über die Forschungsplattform PIXKIT 3 zur Entwicklung und Erprobung von automatisierten Elektrofahrzeugen.

Bertha Benz, die Namensgeberin des ThIMo-Hauptgebäudes in der Ilmenauer Ehrenbergstraße, hat es einst vorgemacht: Durch ihren Innovationsgeist ebnete die Pionierin des Automobils den Weg für die serientaugliche Entwicklung des Benz-Patent-Motorwagens. Mit ihrer berühmten Fahrt von Mannheim nach Pforzheim im Automobil ihres Mannes Carl Benz bewies sie im August 1888, dass die neue Fahrzeugtechnologie nicht nur eine geniale Erfindung, sondern auch praxistauglich war – und legte so das Fundament für eine substantielle Wertschöpfung, die Deutschland und die Welt bis heute prägt.

„Dieses Vorbild möchten wir nachahmen“, erläuterte Matthias Hein zur Begrüßung der Ministerin: 

ThIMo betrachtet es als Aufgabe, technologische Innovationen zu praktischen Anwendungen zu führen, die der Gesellschaft durch wirtschaftlichen Nutzen später wieder zugutekommen.

„Gerade die Mobilität im ländlichen Raum ist dabei ein wichtiges Thema“, so Universitätspräsident Prof. Kai-Uwe Sattler: 

Dort, wo die Menschen keine Bahnverbindungen haben und sich der Nahverkehr aktuell kaum lohnt, sind Technologien und Anwendungen, wie sie das ThIMo verfolgt, hochrelevant. Gemeinsam mit Forschungspartnern wie der Bauhaus-Universität Weimar, Thüringer Unternehmen und Kommunen sind wir aktiv – auch über Technologien wie das hochautomatisierte Fahren hinaus, etwa in den Bereichen Sensorik, Datenanalytik und künstliche Intelligenz.

Diese Technologien bilden beispielsweise die Grundlage für smarte Städte, die die Verkehrssicherheit erhöhen, das Klima schonen und den Lebenswert erhöhen.

Menschen und Güter bewegen

Das automatisierte und vernetzte Fahren (AVF) revolutioniert die Mobilität weltweit und eröffnet für Thüringen ungeahnte Möglichkeiten, um Verkehr, Städte, Erreichbarkeit und Fortbewegung neu und zukunftssicher zu gestalten, ist Prof. Hein überzeugt. Die dafür erforderlichen Technologien seien reif für Anwendungen in der Fläche, und die Konstellation von Akteuren, Erfahrungen und Bedarfen biete dafür die besten Voraussetzungen: 

Zu Thüringen zählen 480 Orte, zahlreiche High-Tech-Ansiedlungen sowie über 100 touristische Attraktionen, die vernetzt werden wollen, um Menschen und Güter zu bewegen. Ein Rückgrat dafür bildet der integrale Taktfahrplan, da er zugleich die Ausgangsbasis für eine gezielte Skalierung von AVF-Anwendungen in die Fläche bietet. Die Wertschöpfung, die sich hier abzeichnet, könnte starke Thüringer Wirtschaftszweige wie die Elektronik oder die Sensorik noch stärker machen. Und zusätzlich zu den neuen Technologien erhöhen neue Geschäftsfelder, Produkte und Dienstleistungsangebote das Wertschöpfungspotential noch weiter.

Im Reallabor Ilmenau und auf dem ThIMo-Forschungsgelände überzeugte sich Ministerin Colette Boos-John persönlich davon, wie vielfältig hochautomatisierte Fahrzeuge eingesetzt werden können: Neben der obligatorischen Probefahrt mit dem P:Mover-Forschungsfahrzeug informierte sie sich auch über modular aufgebaute Fahrzeugplattformen, die als autonome Einkaufs- und Lieferroboter oder für die landwirtschaftliche Nutzung eingesetzt werden können. Eine an der TU Ilmenau entwickelte und patentierte KI-gestützte Gesichtserkennung ermöglicht es solchen Fahrzeugen, die Absicht menschlicher Verkehrsteilnehmer zu erkennen, mit ihnen geeignet zu kommunizieren und sicher zu navigieren. 

„Für die Überführung von AVF-Projekten in den Regelbetrieb und die Hebung des damit verbundenen Wertschöpfungspotentials braucht es eine Bündelung aller Akteure, geeignete und aufeinander abgestimmte Förderbedingungen in Land und Bund, eine ressortübergreifende Koordination und gezielte Investitionen“, so Matthias Hein: 

"Das könnten wichtige Impulse sein, die Thüringen noch stärker machen – ähnlich wie der mutige Praxistest von Bertha Benz."

Kontakt
Prof. Matthias Hein
Direktor Thüringer Innovationszentrum Mobilität (ThIMo)
+49 3677 69-2832 
matthias.hein(at)tu-ilmenau.de