Presse

13.01.2012

ThIMo stellt die Weichen – Interview mit Prof. Dr.-Ing. Klaus Augsburg, Sprecher des „Thüringer Innovationszentrums Mobilität“ | Wirtschaftsjournal Ausgabe 01-2012



1. Ist die Thüringer Automobilindustrie im Technologiefeld Green Mobility im nationalen Umfeld wettbewerbsfähig aufgestellt?

Die Thüringer Automobil- und Automobilzulieferindustrie besteht aus etwa 500 Unternehmen und beschäftigt rund 45.000 Mitarbeiter. Das sind 4,4% der Erwerbstätigen, was deutlich über dem Bundesdurchschnitt für diese Branche liegt. Etwa 97% der Thüringer Automobilunternehmen sind dabei klein- und mittelständisch. Es ist eine Tatsache, dass vor allem große Unternehmen, insbesondere OEM und Systemhersteller fehlen.

Schon seit einiger Zeit ist innerhalb der Lieferkette eine Verschiebung der Wertschöpfung im Gange - weg von den OEMs und hin zu den Zulieferern. Die OEMs werden künftig nur noch zu ca. 20% an der Wertschöpfung im Automobilbau beteiligt sein. Dadurch werden völlig neue Formen der Zusammenarbeit entstehen. Durch diese Vorwärtsintegration der Zulieferer werden diese zukünftig die treibende Wachstumskraft der Automobilbranche sein. Das ist eine überaus große Chance für die klein- und mittelständisch geprägte Wirtschaft Thüringens. Thüringen ist dafür prinzipiell gut aufgestellt.

Eine große Anzahl an Betrieben in Thüringen sind allerdings reine Produktionsstandorte. Höher qualifizierte Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung sind hier unterdurchschnittlich repräsentiert. Somit muss die Zielstellung darin bestehen, den Innovationsgrad der Thüringer Automobilindustrie wesentlich zu erhöhen. Die Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen, insbesondere auch ThIMo, werden dafür sorgen, dass Innovationsimpulse in diesen Industriezweig hinein getragen werden. Vor dem Hintergrund des unstrittigen technologischen Wandels, hin zu alternativen Fahrzeugantrieben, ist diese Unterstützung essentiell. Diese Unterstützung erfolgt durch die methodischen Kompetenzen der wissenschaftlichen Einrichtungen und sorgt dafür, dass die künftig notwendige Qualifikation der Fachkräfte gesichert wird.


2. Wie wird das „Thüringer Innovationszentrum Mobilität“ (ThIMo) die Thüringer Automobil- und Automobilzulieferindustrie auf den Zukunftsfeldern der nachhaltigen Mobilität unterstützen?

Thüringen wird den begonnen tiefgreifenden globalen Strukturwandel in der Automobil- und Automobilzulieferindustrie aktiv mit gestalten. Mit der Gründung des „Thüringer Innovationszentrums Mobilität“ (ThIMo) an der TU Ilmenau hat das Land dafür die Weichen gestellt. Etwa dreißig Fachgebiete, das ist ein Drittel der gesamten Universität, bringen Ihr Potenzial in Form von Know How und wissenschaftlicher Ausrüstung sowie ihre Netzwerke in die vier Zukunftsfelder
- Elektromobilität
- Optimierung von Verbrennungsmotoren
- Powertrain
- Leichtbau ein.

Der Industrie steht bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt im ThIMo eine überaus moderne Ausstattung an Analyse- und Messtechnik sowie Prüfständen zur Verfügung. So ist im ThIMo beispielsweise eine einzigartige Projektionsanlage zur virtuellen Entwicklung von akustischen Produkt- und Prozesseigenschaften, das deutschlandweit wohl am besten ausgestattete Bremsen- und Fahrwerksprüfzentrum und ein exzellenter Gerätepark zur Analyse von Baugruppen- und Werkstoffeigenschaften vorhanden.

Gemeinsam mit der Industrie werden bereits heute zahlreiche Projekte in der Grundlagen- aber auch angewandten Forschung sowie im Dienstleistungsbereich umgesetzt. Von besonderer Bedeutung für die Generierung von Grundlagenerkenntnissen auf mobilitätsbezogenen Themenfeldern sind dabei die fünf industriegetriebenen Forschergruppen des ThIMo, die seit Beginn des Jahres 2012 über drei Jahre tätig werden. Momentan unterhalten mehr als 50 Thüringer und ca. 40 überregionale und internationale Firmen und Wissenschaftseinrichtungen eine Projektpartnerschaft zum ThIMo.


3. Welchen Beitrag leistet das „Thüringer Innovationszentrum Mobilität“ (ThIMo), um die Fachkräftesituation in der Automobilbranche zu entschärfen?

Die Automobil- und Automobilzulieferindustrie ist auf ein breit gefächertes Spektrum an qualifizierten Arbeitskräften angewiesen. Und der Bedarf wächst. Mit der stärkeren forschungs- und wissensintensiven Ausrichtung der Automobilindustrie sind immer mehr Absolventen gefragt, die über ein ingenieur- oder naturwissenschaftliches Studium verfügen.

Mit der Bearbeitung von zukunftsweisenden, wissenschaftlichen Projekten im ThIMo, die grundsätzlich einen engen Bezug zur Industrie haben, wird der wissenschaftliche Nachwuchs auf höchstem Niveau praxisnah ausgebildet. Die Studierenden werden durch ihre Einbeziehung in Projekte frühzeitig mit den Unternehmen und ihrer Arbeitsweise bekannt gemacht. Diese Vorgehensweise ist einem vorgezogenen fachlichen Assessment gleichzusetzen.

Zudem ist damit gewährleistet, dass die Studierenden die modernsten wissenschaftlichen Geräte benutzen und beherrschen können. Diese Tatsache erhöht erfahrungsgemäß das Interesse junger Menschen an einem Ingenieurstudium. Das Beispiel des hervorragend nachgefragten BA/MA- Studienganges Fahrzeugtechnik an der TU Ilmenau zeigt dies eindrucksvoll. An der TU Ilmenau studieren derzeit ca. 6.750 junge Menschen, dav. etwa 65 % in ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtungen.

Ilmenau, 13.01.2012


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